Erst einmal klingt es nicht nach viel: Baue Tiere aus Quadern nach. Doch für die mathematisch Heranwachsenden stecken in dieser einfachen Aufgabe enorme Lerngelegenheiten, viele enaktive Zugänge und eine herausforndernde Kommunikationsaufgabe im Team.
Doch von Beginn an: Auf meine Frage hat eine Kollegin mir das Projekt der Quadertiere weiterempfohlen. Der Projektauftrag war wie bereits genannt, das Lieblingstier nachzubauen und dafür verschiedene Quader zu nutzen. Ich ließ mich durch die Empfehlung als auch durch zahlreiche Beispiele aus dem Internet, wie von der Beatrix-Potter-Grundschule motivieren.
Durch die Vorgabe der Schule, ein Scrum-Board in der 5. Klasse zu verwenden, nahm das Projektmanagement deutlichere Züge an. Der Auftrag für die Lernenden war es, in einem Team von drei Personen ein Tier Arbeitsteilig zu entwickeln. Dabei musste zuerst eine Skizze entstehen, wie das Tier aussehen soll. Als nächsten Schritt (nach Auswahl der Materialien), musste jeder in der Gruppe einen Prototypen erstellen, also eine Rohversion des Plans aus Papier, welche in die Richtung des Ziels gehen sollte. Hierbei waren die Lernenden explizit dazu aufgefordert, zu experimentieren, Köpfe größer und Beine dünner zu machen als geplant. Nach dem Prototyp entstand im Anschluss arbeitsteilig die finale Figur, wessen Oberfläche und Volumen von den SuS berechnet wurde.
Die erste Schwierigkeit lag darin, dass die SuS das Netz selbst zeichnen mussten. Neben der Modellierung eines echten Tieres hin zu einem Quadertier war so gefragt, ein sinnvolles Netz auf das Papier zu bringen, welches sich auch zu einem Quader falten lässt. Probiert man das einmal aus, stellt man fest, dass das gar nicht so einfach ist. Zudem stellt das Kleben gerade wenn die Quader kleiner werden die Schüler*innen vor große feinmotorische Herausforderungen. Auch die Arbeit und das Denken in einem Prototyp wird hierbei eingefordert, will man ja zu Beginn kein komplettes Tier aus Papier haben.
Weiterhin ist eine gute Absprache und Kommunikation in der Gruppe essentiell, um rechtzeitig fertig zu werden und alle Aufgaben zu bewältigen. Hier half das Scrum-Board (eigentlich ein einfaches Kanban-Board) ungemein. Den SuS wurden Rollen zugewiesen, sodass ein SuS den Anführer darstellte, einer den Ansprechpartner für die Lehrperson und ein Schüler sich um das Zeitmanagement kümmerte. Auch die Dokumentation verschiedener kleinteiliger Arbeitsschritte über Notizzettel kann junge Schüler*innen vor Herausforderungen stellen.
Anschließend wird die Pappe geklebt und Berechnungen zum Volumen und der Oberfläche angestellt. Hier kann man nochmals schön auf mathematische Grundvorstellungen eingehen und die SuS Teile ihres Quadertiers oder auch das Ganze Tier im Volumen oder der Oberfläche mit Alltagsgegenständen vergleichen lassen (Passt ein Wasserglas ins Quadertier? Ist die Oberfläche weniger als ein Blatt Papier?). Ist das finale Ziel dann erreicht und die Gruppe hat die Klasse in einer kleinen Präsentation in den Werdegang über den Prototyp, die Entwicklung und die finalen Berechnungen mitgenommen, dürfen die SuS stolz auf ihre Arbeit sein, haben sie doch viele Schritte erfolgreich gemeistert. Ein super Anreiz ist es, die Quadertiere beim Tag der offenen Tür ausstellen zu lassen. Vielleicht sogar im Werdegang, mit den Berechnungen oder selbst entworfenen, erklärenden Schildern zum Tier.
Auch emotional bietet das Projekt den jungen Lernenden einiges an Lerngelegenheiten. Von der großen Lust der eigenen Idee angetrieben, können auch Wut und Trauer über die Gruppenmitglieder später ein Gesprächsanlass darstellen, sich selbst und die Rolle der Teammitglieder zu reflektieren. Selbst junge Schüler*innen verstehen bereits die eigene Rolle, können Wege einer gelungenen Kommunikation und Kollaboration in der Gruppe aufzeigen und merken die Ihnen übertragene Verantwortung als Teil des Teams.
Da mir vor kurzem eine Siebtklässlerin aus meiner ehemaligen 5. Klasse zurückgemeldet hat, das das Projekt eines der spannendsten und spaßigsten Dinge im Matheunterricht von Klasse 5 bis Klasse 7 war, werde ich das Projekt auf jeden Fall nochmals durchführen. Bei Interesse am Material darf man sich gerne bei mir melden.